HALLSCHLAG – hidden beauty

HALLSCHLAG – hidden beauty

„Ach dort, wo früher die Slums waren?“

„Ist das nicht ziemlich heruntergekommen dort mit diesen alten Wohnblocks?“

Das höre ich oft, wenn ich Stuttgartern erzähle, dass ich im Hallschlag wohne. Vor meinem Umzug nach Stuttgart wusste ich nichts über das Viertel und war sehr überrascht, wie schlecht sein Image ist. Seit fast drei Jahren wundere ich mich jetzt schon, woher diese Vorurteile stammen.

Der Hallschlag blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die vielleicht seinen schlechten Ruf erklärt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen zahlreiche Gastarbeiter aus Südeuropa und der Türkei nach Stuttgart (1), viele wurden im Hallschlag angesiedelt. Aufgrund der wachsenden Industrie stieg der Migrantenanteil in den 1950er- und 1960er-Jahren stetig (2). Die Stadt reagierte mit dem Bau enger, günstiger Arbeiter-Wohnsiedlungen, die teilweise bis heute dort stehen. Konflikte durch soziale und kulturelle Unterschiede sowie Kriminalität und Armut prägten bald den Stadtteil (3). Ab den 1970er-Jahren zogen viele deutsche Familien weg (2), während finanziell schwächere ausländische Familien blieben, was die Segregation verstärkte. Erst in den 1980er-Jahren setzten sich erste soziale Initiativen durch (4). 2007 wurde der Hallschlag ins Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen. Grünflächen, Straßen und Plätze wurden neugestaltet, neue Wohnungen entstanden und viele soziale Initiativen für ein besseres Gemeinschaftsgefühl wurden gegründet (5). Heute leben etwa 7700 Menschen im Hallschlag (6), von denen 71,9 % einen Migrationshintergrund haben (7). Der Hallschlag ist ein lebendiger Stadtteil voller Diversität und kultureller Vielfalt.

Stell dir ein Stuttgart vor, in dem diese Vielfalt wertgeschätzt statt verurteilt und in Schubladen gesteckt wird. Ich möchte auf das aufmerksam machen, was anscheinend die Meisten übersehen: die Schönheit des Hallschlags. Die Vielfalt und Einzigartigkeit spiegelt sich nicht nur in der Architektur und dem Stadtbild des Viertels, sondern auch in seinen Bewohnern wider.

Quellen

1 Lindemann, Utz. „Ausländer in Stuttgart 1955 bis 2005“ 12.2005. Statistik und Informationsmanagement. <chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://www.domino1.stuttgart.de/web/komunis/komunissde.nsf/a9830f07fd8c0e7dc1257cb70033e711/3f04be4c49f78ba1c12584d30047bbc9/$FILE/5dr01_.PDF> Zuletzt besucht am 14.01.2025.

2 Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. „Bad Cannstatt – Ein Stadtbezirk im Wandel“ 08.2006. Beiträge zur Stadtentwicklung 37 <chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://www.friedellofts.de/assets/pdf/stadtentwicklung-bad-cannstatt.pdf> Zuletzt besucht am 14.01.2025.

3 Rebecca. „Hallschlag“ 10.05.2016. Geheimtipp Stuttgart. <https://geheimtippstuttgart.de/hallschlag/> Zuletzt besucht am 14.01.2025.

4 Ash Frauenwohnprojekt. „Geschichte“ <https://www.ash-stuttgart.de/ash/geschichte> Zuletzt besucht am 14.01.2025.

5 Çakır, Berkan. „Es war einmal ein Ghetto“ 07.07.2016. Stuttgarter Nachrichten <https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.der-stuttgarter-stadtteil-hallschlag-es-war-einmal-ein-ghetto.3db05be9-41ac-4f19-84f5-d72594b5f71c.html> Zuletzt besucht am 14.01.2025.

6 Statistisches Amt Stuttgart. „Einwohnerzahl der Stadtteile in Stuttgart im Jahr 2023“ 04.2024. Statista <https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1230627/umfrage/einwohnerzahl-der-stuttgarter-stadtteile/> Zuletzt besucht am 14.01.2025.

7 Soziale Stadt – Zukunft Hallschlag in Stuttgart. „Bewohnerstruktur“ 2021. <https://www.zukunft-hallschlag.de/bewohnerstruktur> Zuletzt besucht am 14.01.2025.